Hepatitis-Screening in Deutschland: Früherkennung schützt vor Leberkrebs und Leberzirrhose
Nachricht vom 29.09.2025
Seit Oktober 2021 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35“). Dieses Vorsorgeangebot hat sich als wirksames Instrument zur Früherkennung chronischer Virushepatitiden etabliert. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zieht zum Welt-Hepatitis-Tag 2025 eine positive Bilanz: Das Screeningprogramm trägt wesentlich dazu bei, bislang unerkannte Infektionen frühzeitig zu diagnostizieren und rechtzeitig zu behandeln.
Schätzungen zufolge leben in Deutschland bis zu 500.000 Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B- oder -C-Infektion; viele wissen nicht, dass sie erkrankt sind. Chronische Hepatitis-B- und -C-Infektionen verlaufen oft über Jahre symptomlos und bleiben daher lange unentdeckt. Unbehandelt können sie jedoch zu schweren Folgeerkrankungen wie Leberzellkrebs oder Leberzirrhose führen. Die frühzeitige Diagnose ist entscheidend: Hepatitis C lässt sich heute mit modernen, gut verträglichen Medikamenten innerhalb von zwei bis drei Monaten bei fast allen Patientinnen und Patienten heilen. Für Hepatitis B stehen wirksame Therapien zur Verfügung, die die Virusaktivität kontrollieren und das Fortschreiten der Erkrankung verhindern.
Eine aktuelle im Fachjournal Zeitschrift für Gastroenterologie veröffentlichte Studie zeigt, dass zwischen dem vierten Quartal 2021 und dem dritten Quartal 2023 rund 5,6 Millionen Menschen im Rahmen des „Check-up 35“ auf Hepatitis B oder C getestet wurden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass in diesem Zeitraum über 17.800 neue Hepatitis-B-Fälle und mehr als 6.500 Hepatitis-C-Fälle mit aktiver Infektion entdeckt wurden. Die Zahl der gemeldeten Neudiagnosen stieg laut Robert Koch-Institut deutlich an – ein Hinweis darauf, dass viele Infektionen bislang unerkannt blieben und das Screeeningprogramm wirksam ist.
- Für Hepatitis B stiegen die gemeldeten Fälle 2023 verglichen mit 2021 um 160 % (von 8.757 auf 22.795 Fälle).
- Für Hepatitis C stiegen die gemeldeten Fälle 2023 vergleichen mit 2021 um 121 % (von 4.762 auf 10.508).
Zusätzlich weist die DGVS auf einen Anstieg der Hepatitis-A-Fälle hin, insbesondere in den Sommermonaten und bei Auslandsreisen. Hepatitis A ist nicht Bestandteil des Screeningprogramms. Da Hepatitis A über kontaminierte Lebensmittel und mangelnde Hygiene übertragen wird, gelten Impfschutz und sorgfältige Lebensmittelhygiene als zentrale Präventionsmaßnahmen.
Das Screening auf Hepatitis B und C zeigt, wie gezielte Vorsorge lebensbedrohliche Erkrankungen verhindern kann. Es stellt einen wichtigen Schritt zur Erreichung des WHO-Ziels zur Eliminierung der Virushepatitiden bis 2030 dar, dem Deutschland sich 2016 angeschlossen hat.
Quellen
- Früherkennung rettet Leben – Hepatitis-Screening in Deutschland etabliert sich als Erfolgsmodell. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für r Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vom 28.07.2025 zum Welt-Hepatitis-Tag 2025
- Hüppe D, Wedemeyer H, Cornberg M et al. Deutlicher Anstieg neu diagnostizierter Hepatitis B- und C- Fälle nach Einführung des Screenings in die allgemeine Gesundheitsuntersuchung. Z Gastroenterol 2025; 63: 31–38. DOI: 10.1055/a-2435-5069
- Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 29/2024, veröffentlicht am 18.07.2024. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/11803/EB-29-2024-Hepatitis.pdf?sequence=1&isAllowed=y, zuletzt abgerufen am 24.09.2025
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